18/10/2016

Milchviehbetrieb Petter über 10 Jahre automatisch füttern

v.l.n.r. Herman van Dijk, Arie Petter und Henry Petter

Der erste Futterroboter 10 Jahr her

Der Stall in 2016

Der Stall in 2006

Der Futterroboter in 2016

„Mit so wenig Futter, so hohe Erträge?“

Am Küchentisch erzählt Henry Petters stolz von den Zahlen, die sein Partner Herman van Dijk während einer Zusammenkunft des Studienvereins vorlegte. „Sie waren so erstaunt, dass sie es fast kaum glauben konnten. Das hätte man sehen sollen. Herman machte Angaben zur Ration und zum Milchertrag. „Mit so wenig Futter, so hohe Erträge?“, fragten sie verwundert.“ Der Betrieb produziert jährlich durchschnittlich 9.500 kg Milch pro Kuh mit 4,34 % Fett und 3,5 % Eiweiß und einem BSK von 47,8. Die Futtereffizienz liegt zwischen 1,55 und 1,57, während die durchschnittliche Futtereffizienz in Westeuropa bei 1,30 liegt. Ein gutes Ergebnis. „Wir füttern derzeit täglich 21,9 kg DS pro Kuh. Das schaffen wir, weil wir täglich zwölf Mal pro Gruppe füttern. Das ist dank des automatischen Fütterungssystems möglich“, so Henry Petter.

VOF Petter hat mittlerweile zehn Jahre Erfahrung mit dem automatischen Fütterungssystem Triomatic. Henry Petter ist einer der Viehhalter, die an der Entwicklung des ersten automatischen Fütterungssystems Triomatic beteiligt waren. Er ist derjenige gewesen, der als Vorreiter seine Wünsche und Erkenntnisse beim Entwicklungsteam von Trioliet auf den Tisch legte. Obwohl ein Milchroboter für ihn nicht infrage kam (Argument: „Ich möchte die Kühe zwei Mal pro Tag sehen“), sah er dennoch viele Vorteile im automatischen Füttern. Diese Vorteile sind mittlerweile größer, als er vermutet hätte. Henry: „Es hat uns mehr Vorteile gebracht, als wir uns je hätten denken können. Insbesondere die Flexibilität bei der Zeiteinteilung ist ein großer Pluspunkt. Wir können jetzt ein paar Tage vorausplanen, ohne dass wir danach schauen müssen. Das Einlagern können wir beispielsweise jetzt selbst erledigen, anstatt jemanden damit zu beauftragen. Darüber hinaus besteht keine Rangordnung mehr in der Gruppe, weil es immer frisches Futter gibt, und die festen Futterzeiten und die hohe Futterfrequenz sind wichtig. Das bringt Ruhe in den Stall. Den Färsen geht es überdurchschnittlich gut in der Koppel.“

Nicht mehr, sondern besser
Der Milchviehbetrieb, geführt von Herman van Dijk, Henry Petter und Sohn Arie, umfasst 250 Milchkühe. Der Vorteil des automatischen Fütterungssystems ist, dass sich alles bis auf eine Hundertstel-Kommastelle steuern lässt und somit der beste Ertrag erzielt werden kann. Henry:  „Die hohe Futtereffizienz ist natürlich auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Es geht nicht nur um das Füttern, sondern um das gesamte (Kosten-)Bild. Wir versuchen, uns selbst versorgen zu können, wenn es um Raufutter geht, und wir kaufen weniger phosphatreiche Produkte ein. Auf diese Weise verringern wir zudem die Menge an Phosphat, die entsorgt werden muss. So kann man sehr genau arbeiten und erzielt man einen hohen Ertrag in der gesamten Betriebsführung. Wir streben nicht nach mehr, sondern nach besser. Das automatische Fütterungssystem sorgt dafür, dass man diese Flexibilität hat.“

Früher wurde zwei Stunden pro Tag gefüttert, etwa vierzehn Stunden pro Woche. „Heute nimmt das Füttern lediglich 4,5 Stunden pro Woche in Anspruch. Es werden etwa 80 Tonnen Raufutter pro Woche und circa 15 kg Restfutter verarbeitet. Es ist zudem möglich, mehrere Gruppen mehrmals pro Tag zu füttern. Es gibt also immer frisches Futter. Es lässt sich sogar eine kleine Ration für drei trockene Kühe zusammenstellen. Das ist ein sehr wichtiger Faktor. Je besser man die trockenen Kühe versorgen kann, umso bessere Leistungen erzielen sie und umso weniger Probleme entstehen später. Auf diesem Gebiet ist das automatische Fütterungssystem gegenüber Lohnarbeit wirklich konkurrenzfähig, denn jetzt füttern wir die trockenstehenden Kühe zwei Mal pro Tag anstatt ein Mal alle zwei Tage. Das ist das Beste für die Tiere. Aber nicht nur die Kühe ziehen einen Vorteil daraus. Ich habe selbst auch Hobbys, und dafür steht mir jetzt mehr Zeit zur Verfügung. Was natürlich genau so wichtig ist“, lacht Henry. 

Man hat die Freiheit, wegzugehen
Die Zeitpunkte der Fütterungen lassen sich je nach Bedarf verschieben. Insbesondere bei warmem Wetter ist es praktisch, die Fütterungen zu steuern. Herman van Dijk: „Wir füttern im Sommer häufiger nachts. Bei den nächtlichen Fütterungen nutzt das System den Nachttarif, was besonders vorteilhaft ist. Persönlich finde ich die Flexibilität sehr angenehm und sie zahlt sich aus“. Arie Petter ergänzt: „Der größte Vorteil ist, dass man mehr Freizeit hat. Man hat die Freiheit, mal kurz wegzugehen, man muss nicht mehr genau nach der Uhr leben. Keiner von uns dreien trägt mehr eine Armbanduhr, das sagt doch alles“, lacht Arie.

Investition
Der Milchviehbetrieb schreibt die Investition des automatischen Fütterungssystems über einen Zeitraum von zwanzig Jahren ab. „Die Investitionskosten für das automatische Fütterungssystem T40 betrugen circa € 200.000,-. Wir haben die Investitionskosten jetzt zur Hälfte zurückgezahlt und das System wird noch ohne Weiteres zehn Jahre laufen. Für die Instandhaltung mussten wir ein paar Mal einen Satz Messer anschaffen. Aber wenn man dies gegen die Dieselkosten einer selbstfahrenden Arbeitsmaschine oder eines Traktors aufrechnet, hat man die Kosten binnen kürzester Zeit raus.“ Dass es sich um eine beträchtliche Investition handelt, bestreiten sie nicht. Henry: „Damit füttern wir circa 250 Kühe. Es geht um das Gesamtbild. Was steckt man rein, und was bekommt man am Ende heraus? Entscheidend ist, was unterm Strich herauskommt. Mit einem Kostenpreis von 0,5 Cent pro Liter Milch (Wartungskosten, Abschreibung und Quote von 2,5 Millionen Litern Milch) verbuchen wir hervorragende Ergebnisse. Man muss als Viehhalter langfristig denken können und danach handeln.“

 

Siehe auch:

Artikel: Ist automatisch füttern für mich interessant? 


Artikel: „Automatisches Füttern ist besser für die Kuh und den Geldbeutel“